Digitalisierung: Herausforderungen und Chancen für Deutschland

Digitalisierung ist überall und beinahe alles – so scheint es zumindest. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Digitalisierung inzwischen in jeden (Lebens-) Bereich vorgedrungen ist: im Job, Zuhause oder unterwegs. Ständig sind wir mit Digitalisierung konfrontiert – zum Glück. Denn die Digitalisierung birgt unglaublich viele Chancen und Herausforderungen für Deutschland. Dass dazu auch Risiken gehören, versteht sich von selbst. Nicht umsonst heißt es „no risk, no fun“. Doch wenn alle am Digitalisierungsstrang ziehen, kann es funktionieren. Aber welche Chancen eröffnen sich für uns und welchen Herausforderungen müssen wir uns im Zuge der Digitalisierung stellen? Wo gibt es Verbesserungspotentiale und wo muss Digitalisierung ansetzen, um jeden abzuholen und mitzunehmen?

Das Wort Digitalisierung hätte bestimmt ganz gute Chancen, von der GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache e.V.) Anfang 2018 als „Wort des Jahres 2017“ gewählt zu werden. Denn gefühlt polarisiert kaum ein anderes „Buzzword“ hierzulande momentan so sehr wie die Digitalisierung.

Waren zu Beginn des Digitalisierungs-Hypes viele Menschen voller Euphorie und Neugier, auf das, was die Digitalisierung für Veränderungen mit sich bringen würde, werden heute mehr und mehr kritische Stimmen zu dieser Thematik laut. Dabei birgt die Digitalisierung für Deutschland so unglaublich viele Chancen und Herausforderungen, die genutzt werden sollten.

Bitkom-Studie: Chancen ja, Digitalkompetenz eher „ausreichend“

Der Digitalverband Bitkom hat die Ergebnisse einer neuen Umfrage zur Digitalisierung veröffentlicht, wonach 6 von 10 Deutschen ab 14 Jahren die Digitalisierung als Chance sehen. Allerdings trifft das lämgst nicht auf alle Altergruppen zu. So sehen beispielsweise bei den Befragten ab 65 Jahren nur 49% die Digitalisierung als Chance. Das überrascht eigentlich nicht, wenn man bedenkt, dass die jüngere und ältere Generation (65 Plus) sehr unterschiedlich mit digitalen Technologien umgeht. Auch die Bedeutung von digitalen Technologien im Privatleben sehen der Umfrage zufolge beide Altersgruppen differenziert. So besitzen digitale Technologien im privaten Leben für nur etwa 19 Prozent der Befragten ab 65 Jahren eine große Bedeutung während für 77 Prozent der 14- bis 29-jährigen die digitalen Technologien eine große Rolle im Privatleben spielen.

Interessant sind auch die Ergebnisse zur Nutzung des Internets. So nutzen 98 Prozent der 14- bis 29-Jährigen das Internet, um gezielt nach Informationen zu suchen und E-Mails zu schreiben. 95 Prozent streamen Musik oder Filme, 86 Prozent kaufen online ein, 85 Prozent tauschen sich in sozialen Netzwerken aus und 69 Prozent nutzen Smartphone-Apps wie Snapchat oder Slack.

Betrachtet man die Zielgruppe 65 Plus ist das Gegenteil der Fall. Demnach sucht nur rund jeder Dritte gezielt nach Informationen im Internet (36 Prozent) oder schreibt Mails (30 Prozent), jeder Fünfte streamt Musik oder Filme (21 Prozent) oder kauft online ein (19 Prozent) und 12 Prozent nutzen Apps wie Snapchat und nur 6 Prozent tauschen sich in sozialen Netzwerken aus.

Überraschend waren auch die Ergebnisse zur Beurteilung der eigenen Digitalkompetenz. Demnach bewerteten die Befragten ihre eigene Digitalkompetenz im Durchschnitt nur mit „ausreichend“, wovon die 14-29-jährigen ihre Kompetenz in dem Bereich mit „befriedigend“, die über 65-jährigen sogar nur mit „mangelhaft“ beurteilten.

Bitkom-Präsident Thorsten Dirks ist alarmiert: „Das Thema Bildung rund um digitale Technologien muss eine viel höhere Priorität als bisher bekommen, und zwar angefangen in der Schule bis hin zum dauerhaften Lernen im Unternehmen.“

Digitale Teilhabe auch für Ältere

Die Umfrageergebnisse zeigen es: Die digitale Teilhabe darf nicht nur für junge Menschen gelten, sondern muss auch die älteren Menschen (65 plus) mit einbeziehen, sie abholen und mitnehmen. Daher ist es wichtig, ältere Menschen für das Thema Digitalisierung zu sensibilisieren. Aber wie?

Zunächst müsste man den Älteren wohl vor allem die Angst vor der Digitalisierung nehmen, indem man sie sanft an die digitalen Technologien heranführt. Die sogenannten „Silversurfer“ machen es schon seit einigen Jahren vor, dass beispielsweise Internetnutzung keine Frage des Alters zu sein scheint. Dennoch distanzieren sich immer noch viele Ältere von der Digitalsierung, da sie eine zunehmende Zugänglichkeit und Verfügbarkeit privater Daten fürchten („gläserner Mensch“). Hier sind Politik und Wirtschaft gefragt. So müssten Themen wie Big Data, Datenschutz und ähnliche Thematiken altersgerecht der Zielgruppe nähergebracht werden um ein Verständnis bei den älteren Menschen zu entwickeln. Das könnte in Weiterbildungsmaßnahmen erfolgen oder auch im Alltag, beispielsweise mit altergeerechten Smartphone-Apps und Computerprogrammen. Austausch und Dialog sind ebenfalls wichtige Komponenten um ältere Menschen mit Digitalisierung vertraut zu machen, ganz nach dem Motto: Attraktivität statt Abschreckung.

Digitalisierung muss Schule machen!

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass junge Menschen im Bereich Digitalisierung gefördert werden müssen – und das bereits in der Grundschule. Grundvoraussetzung hierfür ist allerding die Digitalisierung der Bildungslandschaft. Ob Grundschule, weiterführende Schule oder Universität: Überall herrscht Nachholbedarf in punkto Digitalisierung. Mögliche Ansätze wären die Vielfalt informeller Lernangebote zu erweitern, bspw. durch themenspezifische Online-Kurse, sowie die Vermischung von virtuellen und realen Lerninhalten. So können Kinder und Jugendliche via digitaler Vermittlung von Wissen in ihrer Flexibiltiät nicht eingeschränkt und im Präsenz-Unterricht ein reger Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden entstehen.

Weitere wichtige Komponenten der Digitalisierung der Bildungslandschaft sind vernetztes Lernen und gemeinsames Zusammenarbeiten. Ein gutes Beispiel dafür stellt die Plattform „Wikipedia“ dar. Hier findet ein reger Wissensaustausch untereinander statt.

Damit bleibt festzuhalten, dass Lehren und Lernen mit digitalen Medien eine Loslösung von inhaltlichen, räumlichen, zeitlichen, methodischen und institutionellen Strukturen nach sich zieht (vgl. de Witt/Czerwionka 2013, S. 17ff). Sprich: Man kann von überall zu jeder Tageszeit auf der Welt lernen. Demzufolge bedeutet Digitalisierung auch ein großes Stück Freiheit, die man unbedingt nutzen sollte.

Chancen der Digitalisierung

Neben den Herausforderungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt, offeriert sie aber mindestens genauso viele Chancen. Die deutsche Wirtschaft tut gut daran, diese Chancen zu nutzen. Ob neue Geschäftsmodelle, Transaktionsmöglichkeiten, die Erschließung neuer Zielgruppen oder die Verbesserung der Servicequalität – es gibt noch viel zu tun für Deutschland. Wenn es uns gelingt, die Chancen der Digitalisierung erfolgreich zu nutzen und wir die Herausforderungen, die sich daraus für uns ergeben, meistern, haben wir gute Aussichten, eine Vorreiterrolle in Sachen Digitalisierung zu werden!

Chatbots als Errungenschaft der Digitalisierung?

Sie sind das wohl mit Abstand derzeit umstrittendste Produkt der Digitalisierung: Chatbots. Wir hatten bereits im Frühjahr über Chatbots – Hype oder heiliger Gral? berichtet. Seitdem hat die Aufmerksamkeit um die Thematik kaum abgenommen. Beinahe täglich erblicken neue (Chat-) Bots das Licht der Welt. Die Bot-Technologie entwickelt sich fast genauso schnell weiter. Und auch, wenn derzeit die Meinungen zu Chatbots und ihrem sinnvollen Nutzen noch sehr weiter auseinandergehen, sind wir uns ziemlich sicher, dass Bots ziemlich bald nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sind.